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Steuerklasse nach der Heirat richtig auswählen

Natürlich heiratet ihr aus Liebe! Doch was es darüber hinaus zu den steuerlichen Konsequenzen einer Hochzeit zu wissen gibt, erfahrt ihr bei uns.

In Zeiten, als unsere Großeltern den Bund fürs Leben schlossen, war die Hochzeit ein entscheidendes Muss für die Gründung einer Familie. In modernen Partnerschaften ist dies nicht mehr notwendig. Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen ist es heutzutage überaus bedeutungsvoll, den Ehebund zu schließen. Schließlich setzt es eurer Liebe die Krone auf.

In modernen Ehen sind Mann und Frau zudem gleichberechtigte Partner. Das betrifft oftmals auch den Beruf, denn die klassische Rollenverteilung von früher ist längst überholt. Was die Heirat für Auswirkungen auf Lohnabrechnung oder Steuererklärung von berufstätigen Eheleuten hat? Hier erfahrt ihr, wie ihr die Steuerklasse nach der Heirat richtig auswählt und was ihr sonst für steuerliche Vorteile habt.

Steuervorteile durch Ehegatten-Splitting

Es gibt viele Gründe „Ja“ zu sagen. Der Hauptgrund ist normalerweise, sein Leben mit dem Menschen zu verbringen, den man liebt. Darüber hinaus beziehen etliche Paare auch steuerliche Vorteile in ihre Hochzeitspläne mit ein. Lohnenswert ist eine Heirat in steuerlicher Hinsicht, wenn einer der Partner ein deutlich höheres Gehalt (ca. 60 Prozent des gemeinsamen Einkommens) bezieht. In diesem Fall wird das Ehegatten-Splitting angewandt, indem die Summe beider Einkommen für die Besteuerung zu gleichen Teile auf die Verheirateten verteilt wird. Wählt dann am besten die Steuerklassen III und V.

Vorteilhaft ist das Splitting auch, wenn einer von beiden selbstständig ist. Denn dann können eventuelle Verluste die Steuerlast des angestellten Ehepartners reduzieren, weil sie mit seinen Einkünften gegengerechnet werden.

Budget und Kosten der Hochzeit
© Frog – Fotolia.com

Dieser Splitting-Tarif wirkt sich durch eine standesamtliche Trauung bis zum 31.12. rückwirkend auf die Steuer des gesamten Jahres aus. Daher kommt es immer wieder zu kurzfristigen Eheschließungen am Jahresende. Auch wenn das ein wenig unromantisch klingt, könnt ihr diese Option durchaus in eure Überlegungen einschließen. Einer spontanen Heirat im engsten Familienkreis auf dem Standesamt kann ja immer noch ein rauschendes Fest mit einer kirchlichen oder freien Trauung folgen, das eurer Liebe würdig ist.

Überstürzen braucht ihr allerdings nichts, wenn ihr in eurer Beziehung auch in finanzieller Hinsicht gleichgestellt seid. Erhalten beide ein etwa gleich hohes Einkommen, hat die Eheschließung keinen Einfluss auf den Steuerbetrag. Doch das sollte euch nicht von der Hochzeit abhalten. Schließlich ist es die Liebe, die zählt.

Welche Steuerklasse wählen?

Zur Änderung der Steuerklasse müsst ihr mit eurer Heiratsurkunde beim Finanzamt vorsprechen. Da sie nur einmal im Jahr möglich ist, solltet ihr eure Wahl genau durchdenken.

Übersicht Steuerklassen

Die Steuerklassen 1 und 2 sind für Ledige.

SteuerklasseGrundfreibetragKinderfreibetrag
3 – geringe Lohnabzüge16.008 €7.008 €
4 – Abzüge wie vor der Hochzeit8.004 €je 3.504 € = 7.008 €
5 – hohe Lohnabzüge0 €0 €
6 – sehr hohe Lohnabzüge*0 €0 €

 

*für Eheleute, die neben dem Haupt- noch einen Nebenberuf ausüben.

Beispiel
Bruttoverdienst Ehepartner A/Monat: 5.000 € – Bruttoverdienst Ehepartner B/Monat: 2.000 €. Je nach Steuerklasse kommt ihr auf unterschiedliche Nettoverdienste:

SteuerklasseNettolohn/Monat Ehepartner ANettolohn/Monat Ehepartner BSumme Nettolohn/Monat
1/1 (vor der Hochzeit)2.802 €1.355 €4.157 €
4/42.802 €1.355 €4.157 €
3/53.262 €1.097 €4.329 €

 

Je größer der Unterschied zwischen den beiden Löhnen, desto größer fällt der Vorteil des Ehegatten-Splittings und die Wahl der Steuerklassen 3 und 5 aus. Euer Gehalt könnt ihr mit Hilfe eines Lohnrechners selbst ermitteln.

Weitere Steuerersparnisse durch eine Hochzeit

Steuern sparen nach der Hochzeit
© Klaus Eppele – Fotolia.com

Moderne Partnerschaften gehen manchmal mit Fernbeziehungen einher. Doch selbst wenn die berufliche Karriere das Zusammenleben unter der Woche verhindert, bedeutet das nicht, dass ihr keine Ehe führen können. Im Gegenteil: Die Hochzeit kann euch Steuersparnisse durch die Anwendung der doppelten Haushaltsführung ermöglichen. Alles Wissenswerte rund um die doppelte Haushaltsführung könnt ihr in diesem kostenfreien E-Book nachlesen.

Beispiele

  1. Bisher war ein gemeinsames Zusammenleben unter der Woche aus beruflichen Gründen nicht möglich. Nun möchtet ihr eure Liebe durch eine Hochzeit bestärken. Durch das Bestimmen von einer der beiden Wohnungen als Familienwohnsitz, könnt ihr Kosten für die andere Wohnung in der Einkommenssteuererklärung geltend machen.
  2. Ihr genießt die Zweisamkeit in einer gemeinsamen Wohnung und möchtet euer Glück demnächst mit dem Ja-Wort besiegeln. Jedoch muss einer von euch eine Zweitwohnung in einem weiter entfernten Ort beziehen, da sich der Hauptsitz oder der neue Standort des Arbeitgebers dort befindet. Nach der Eheschließung können Aufwendungen für Miete, Fahrtkosten, etc. die Steuerlast reduzieren.

Aus welchen Gründen ihr den Bund fürs Leben schließt, ist vollkommen egal, solange ihr glücklich seid. Dennoch solltet ihr euch rechtzeitig über steuerliche Konsequenzen einer Heirat informieren. Insbesondere auch dann, wenn ihr bereits ein Kind oder Kinder aus früheren Partnerschaften habt.

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