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Verliebt, verlobt, verheiratet – und das mit Ehevertrag?

Wer seine Hochzeit plant, hat viel zu tun. Alles muss entschieden und organisiert werden von der richtigen Einladungskarte bis zur perfekten Location. Darüber, wen man alles einlädt und wen lieber nicht. Nicht zu vergessen natürlich das Traumkleid für die glückliche Braut und zu guter Letzt der Ehevertrag.

Wie jetzt: Ehevertrag? Ging es nicht gerade noch um ein romantisches Thema wie das Heiraten? Der Ehevertrag hat zu unrecht seinen Ruf als Romantikkiller, denn was ist daran unromantisch, wenn man gemeinsam auf die Zukunft schaut und im Vorfeld bereits einen möglichen Streit oder ungute Gefühle in Krisenzeiten ausräumen kann? Kümmert man sich als Paar vorab um eine Einigkeit im Krisenfall – z.B. durch die individuelle Anpassung von einem Ehevertrag-Muster – so stehen die Chancen gut, einvernehmliche und faire Regelungen zu finden, welche die Interessen beider Ehegatten berücksichtigen.

Dieser Artikel ist in folgende Bereiche aufgeteilt:

    1. Ehevertrag – was bedeutet das eigentlich?
    2. Kann jeder einen Ehevertrag machen?
    3. Was kann man in einem Ehevertrag regeln und was ist vor allem sinnvoll?
    4. Was gehört nicht in einen Ehevertrag?
    5. Wann kann man einen Ehevertrag abschließen?
    6. Gibt es auch online individualisierbare Eheverträge?

1. Ehevertrag – was bedeutet das eigentlich?

Eigentlich geht jeder eine Art Ehevertrag ein, der heiratet. Nur, dass alle, die keinen individuellen Ehevertrag selbst ausformulieren, einfach den per Gesetz vorgegebenen Regelungen folgen und somit, sollte es zu einer Trennung und Scheidung kommen, nach eben diesen gesetzlichen Maßstäben geschieden werden.

Das bedeutet dann grundsätzlich, dass das Paar ohne Ehevertrag im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebt. Hier wird das Vermögen der Eheleute getrennt betrachtet, aber im Falle einer Scheidung wird auf Antrag des Ehegatten der Zugewinn ausgeglichen. Außerdem gilt standardmäßig, dass die Eheleute einander unterhaltspflichtig sind und nach der Trennung derjenige Anspruch auf Unterhalt hat, der nicht selbst für sich sorgen kann. Und der sogenannte Versorgungsausgleich bewirkt, dass erworbene Rentenansprüche ausgeglichen werden. Schon hier wird deutlich: Die Regelungen, die ohne Ehevertrag greifen würden, sind eher auf die Alleinversorgerehe zugeschnitten.

Hier findet ihr bei uns weitere Infos zu den 3 Güterständen.

2. Kann jeder einen Ehevertrag machen?

Ehevertrag vor der Hochzeit
© m.schuckart – Fotolia

Jeder kann mit seinem zukünftigen oder schon angetrauten Partner einen Ehevertrag selbst aufsetzen, idealerweise passt man ein Ehevertrag-Muster an seine eigenen Wünsche an. Gültig wird der Ehevertrag allerdings erst, wenn er in notarieller Form bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Ehegatten abgeschlossen wurde.

Ein Ehevertrag ist besonders für Paare mit unterschiedlichen bestehenden oder zukünftigen Einkommen interessant.

Große Unterschiede in der persönlichen Situation können den Wunsch nach einem Ehevertrag noch verstärken: Vermögen oder Schulden, verschiedene Einkommen oder zu erwartendes Erbe. Immer wichtiger wird das Thema Ehevertrag auch für Frauen, die sich dafür entscheiden, Kinder und Arbeit in der Ehe unter einen Hut zu bekommen und sich das Paar nicht für eine Alleinversorgerehe entscheidet. Denn die gesetzlichen Regelungen nach einer Scheidung sind auf eben dieses Modell ausgelegt und daher oft nicht mehr zeitgemäß.

3. Was kann man in einem Ehevertrag regeln und was ist vor allem sinnvoll?

Ein Ehevertrag kann Vereinbarungen für die Zeit während der Ehe beinhalten und solche für die Zeit nach der Trennung und Scheidung. Dazu sollten Regelungen zum Unterhalt, Regelungen zum Güterstand (Vermögen) und Regelungen zum Versorgungsausgleich (Rente) enthalten sein.

Vermögen

Das Paar kann sich gegen die Zugewinngemeinschaft und für eine Gütertrennung entscheiden. Oder auch nur die Zugewinngemeinschaft modifizieren. Gerade bei sehr unterschiedlichen Einkommen oder bei einem zu erwartenden Erbe kann das wichtig sein. Andersherum kann der Partner auch vor potentiellen Risiken des Unternehmertums einer der Partner geschützt werden. „Selbstverständlich kann ich voreheliche Verträge nicht nur dafür nutzen, dass das Eigentum des finanzstärkeren Partners, welches dieser in die Ehe mit einbringt, geschützt wird, sondern durch eine zu vereinbarende Gütertrennung auch den nicht unternehmerischen tätigen Partner vor eventuellen Gläubigerzugriffen schützen. Im Falle der sogenannten Unternehmerehe, das heißt, in welcher einer der beiden Partner ein Unternehmen mit in die Ehe einbringt, empfehle ich immer einen Ehevertrag mit entweder einer modifizierten Zugewinngemeinschaft oder aber einer Gütertrennung, auch unter dem Aspekt, genau diesen indirekten Zugriff etwaiger Gläubiger auf einen nicht unternehmerisch tätigen Partners zu verhindern .“, erklärt Melanie Franke, Fachanwältin für Familien- und Erbrecht in der Kanzlei Schneider Stein & Partner.


Melanie Franke RechtsanwältinMelanie Franke ist seit mittlerweile zwanzig Jahren ausschließlich im Familien- und Erbrecht tätig, seit 1998 Fachanwältin für Familienrecht, Partnerin der Sozietät Schneider Stein und Partner in Hamburg.

Ein Schwerpunkt ihrer anwaltlichen Arbeit liegt auf der einvernehmlichen Regelung der Trennungs- und Scheidungsfolgen, möglichst im außergerichtlichen Bereich.


Vorsorge

Auch das Thema Versorgungsausgleich ist besonders für die Paare interessant, bei denen einer der Partner beruflich zurücksteckt, um zum Beispiel die gemeinsamen Kinder zu erziehen und dadurch weniger in die eigene Rente einzahlt. In einem Ehevertrag kann zum Beispiel der Ausgleich für bestimmte Zeiten oder Anwartschaften modifiziert werden oder gar unter bestimmten Umständen der Versorgungsausgleich ganz ausgeschlossen werden.

Unterhalt

Wie hoch der Unterhaltsanspruch des Ehepartners während der Trennung und nach der Scheidung ist und wie lange dieser gezahlt werden muss, kann im eigenen Ehevertrag festgelegt werden. Genauso kann unter bestimmten Umständen auch ein Unterhaltsanspruch im Scheidungsfall komplett ausgeschlossen werden.

4. Was gehört nicht in einen Ehevertrag?

Melanie Franke empfiehlt ganz klar, Regelungen zum Umgangs- und Sorgerecht der gemeinsamen Kinder nicht im Ehevertrag festzulegen, sondern höchstens eine Absichtserklärung aufzunehmen. „Diese Dinge stehen ohnehin unter einem sogenannten Richtervorbehalt, das heißt im Streitfall können sie immer nur durch richterlichen Beschluss entschieden werden. Das bedeutet, dass selbst wenn man entsprechende Regelungen in einen Vertrag aufnimmt, diese keine rechtsbindenden Wirkungen entfalten. Die die Kinder betreffenden Fragen richten sich immer nach dem sogenannten Kindeswohl: Dies ist weder vorhersehbar, noch unflexibel vertraglich regelbar.“

5. Wann kann man einen Ehevertrag abschließen?

Ehevertrag
© johannesspreter – Fotolia

Jederzeit – auch während der Ehe – kann ein Ehevertrag abgeschlossen werden (man kann auch einen bisherigen Ehevertrag später noch erweitern oder abändern).

Es ist sehr zu empfehlen, sich als Paar zusammenzusetzen und diese Themen gemeinsam einmal zu besprechen. Geht es doch nicht um ein Gegeneinander oder um eine Bereicherung, sondern darum gemeinsam für einander zu sorgen und einem möglichen Streitfall, eine Menge Konfliktpotential zu nehmen.

Gerade Frauen schweigen viel zu lange an dem Punkt und kommen in eine Beratung eines Familienrechtsanwalts erst, wenn sich die Trennung schon andeutet. Dann vor allem getrieben von der Sorge um den nachehelichen Unterhalt, wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind. Besonders verheiratete Frauen mit Kindern, die auch weiter berufstätig bleiben wollen, sollten ganz dringend hier für eine gemeinsame Regelung sorgen. „Wenn klar ist, dass durch die Planung gemeinschaftlicher Kinder und deren Betreuung die berufliche Laufbahn der kinderbetreuenden Ehefrau nicht in der Weise verlaufen wird, wie dies ohne Kinder der Fall wäre, sollte sie sich absichern für die Frage des nachehelichen Unterhalts. Das heutige Unterhaltsrecht ist extrem volatil und einzelfallbezogen. Wir haben grundsätzlich eine sich verfestigende Rechtsprechung, die einen größeren Schwerpunkt als früher auf die Eigenverantwortlichkeit auch der betreuenden Frauen beinhaltet. Aus diesem Grund sollte dann ein Ehevertrag die Höhe und auch die Laufzeitdauer eines etwaigen nachehelichen Unterhalts genauso wie die Geschäftsgrundlage im Hinblick auf den Lebensplan enthalten.“ so Melanie Franke.

Sich gemeinsam hinsetzen und über einen gemeinsamen Ehevertrag nachdenken, lohnt sich immer für beide. Unterstützung kann man sich von guten Familienrechtsanwälten holen. Für viele Paare kann es auch die Gelegenheit sein, über Sorgen und Zukunftsängste zu sprechen, gerade wenn Kinder in der Ehe geplant sind und einer der Partner plant, seine berufliche Zukunft hinter die gemeinsamen Ziele der Familie zurückzustellen. Dieser Vertrag birgt die Chance, im Falle einer Scheidung auseinander gehen zu können, ohne dass Rosenkriege ums Geld ausbrechen müssen. Eine Sorge also weniger und mehr Freiraum sich wirklich auf die Romantik einer Heirat einzulassen.

6. Gibt es auch online individualisierbare Eheverträge?

Ehevertrag Muster online
© Depositphotos.com/gstockstudio

Natürlich könnt ihr auch online einen Ehevertrag individuell an eure persönlichen Wünsche anpassen. Ihr werdet in einem Tool durch einen Frage-Antwort-Dialog geleitet verbunden mit Praxistipps und erhaltet so den gewünschten Ehevertrag zum Ausdrucken. So spart ihr euch die Zeit und vor allem das Geld beim Anwalt. Damit euer Ehevertrag dann gültig wird, müsst ihr damit nur noch zusammen zum Notar und ihn notariell beurkunden lassen.

Ein seriöser Anbieter für solch einen individualisierbaren Ehevertrag ist die Online-Firma SmartLaw (Experte für individuelle, rechtssichere Verträge und Rechtsdokumente im Internet).

Zum Portfolio gehören unter anderem Arbeitsverträge, Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten, Testamente, Mietverträge und eben auch Eheverträge. Die Dienstleistung von SmartLaw füllt die Lücke zwischen Mustervertrag und der Fachberatung von Anwälten. Ehevertrag und auch alle anderen Rechtsdokumente können ohne juristische Vorkenntnisse angepasst werden und sind im Vergleich zu einem Besuch beim Anwalt weitaus günstiger.

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