Dienstag, 11. Januar 2011, 17:52Uhr
Dies ist ein Gastartikel von Raphaela Hoffmann. Sie berichtet über ihre Erfahrungen beim Kauf eines Hochzeitskleids in China und gibt Tipps was man beachten sollte, wenn man Hochzeitskleider in China kaufen möchte.
Raphaela Hoffmann bloggt auch unter www.shopchop.de über das Shoppen allgemein.
Das Traumkleid aus dem fernen Osten
Der Tag, an dem ich mein Hochzeitskleid kaufen wollte, sollte eigentlich ein ganz besonderer sein. Er wurde eine herbe Enttäuschung. Ich hatte mir einen besonders großen Händler für Brautmode gesucht, frei nach dem Motto: Mehr Kleider, mehr Auswahl. Doch die Hälfte der Kleider fiel schon alleine wegen der Lieferfristen weg.
Und vom Rest noch einmal die Hälfte war für Frauen mit meiner Figur einfach nicht geeignet. Übrig blieb ein kläglicher Rest, der zwar ganz okay aussah, aber einfach nicht diesen „WOW“-Effekt auslöste, den man sich als Braut wünscht. Und dafür mehr als 1.000 Euro ausgeben?
Schon vor meinem Termin im Brautladen hatte ich mich im Internet nach Designern umgesehen. Besonders angetan hatten es mir die Hochzeitskleider von Alfred Angelo, die im Grundton zwar weiß sind, aber mit einem kräftigen Klecks Farbe kombiniert werden. Dabei bin ich auch über die klassischen, chinesischen Schneidereien gestolpert, die für einen Spottpreis Brautkleider und Abendmode anbieten. Aber das kam für mich in dem Moment überhaupt nicht in Frage, ich wollte ja ein richtiges Hochzeitskleid und nicht irgendeinen schlecht vernähten Fetzen.
Hochzeitskleider aus China?
Nachdem ich feststellen musste, dass die deutschen Brautmodeläden mir offenbar nicht weiterhelfen konnten, sah ich mich erneut im Internet um. Vielleicht würde ich mein Traumkleid ja in England oder den Niederlanden finden?
Lieber ein paar Stunden mit dem Auto unterwegs sein, als tausende von Euro für etwas ausgeben, was mich nicht glücklich machte. Und wieder stolperte ich bei meiner Suche über die chinesischen Händler. Und plötzlich dachte ich mir: Warum eigentlich nicht?
Ich bin mit den denkbar schlechtesten Vorstellungen an die Sache herangegangen. Sicher würden die Maße völlig falsch umgesetzt. Weiß man in China überhaupt, was ein Zentimeter ist? Und die Verarbeitung durfte man sich vermutlich gar nicht näher ansehen, sondern lieber froh sein, wenn das Hochzeitskleid wenigstens einen Abend überstand. Und was ist überhaupt mit den Details? Wird mein Alfred Angelo (denn dass ich dieses Kleid haben wollte, stand mittlerweile für mich fest) auch aussehen wie ein Alfred Angelo?
Es gab also eine Menge Fragen und Risiken, mit denen ich konfrontiert war. Aber andererseits: Mein Traumkleid kostete mit Versand ungefähr 100 Euro – zuzüglich Zoll, wenn mein Hochzeitskleid nicht durch ging. Und irgendwie erschien mir der Gedanke, 100 Euro in den Sand zu setzen, vielleicht aber auch ein tolles Kleid zu bekommen, wesentlich attraktiver, als 1.000 Euro für etwas zu bezahlen, was eben nicht „mein“ Kleid ist. Damit war die Entscheidung für mich gefallen. Wenn das Hochzeitskleid wirklich nichts taugte, konnte ich immer noch in den sauren Apfel beißen und die teure Alternative kaufen.
Die Tücken liegen im Bestellvorgang
Selbstverständlich wollte ich das Risiko, schlechte Qualität zu bekommen, so gut es geht vermeiden. Also suchte ich mir erst alle Händler heraus, die mein Kleid herstellen konnten (was überraschend viele waren) und entschied mich dann noch einmal für denjenigen, über den ich im Internet die besten Bewertungen fand. Und dann wagte ich es. Ich kontaktierte den Anbieter per E-Mail.
Die meisten Händler können englisch sprechen, wer in dieser Sprache halbwegs fit ist, der sollte eigentlich nicht viele Probleme mit seiner Bestellung haben. Einzelne Händler können auch deutsch sprechen, aber ich weiß nicht, ob ich mich darauf verlassen würde, dass die wirklich verstehen, was ich will.
Zur Sicherheit habe ich daher eine ganze Menge an Fotos mitgeschickt. Das Kleid von vorne, das Kleid von hinten – ja, das können wir fertigen. Prima. Haben Sie vielleicht Sonderwünsche? Oh.. na wenn Sie so fragen… Mein Kleid war schulterfrei und da ich nicht gerade eine zarte Elfe bin, hielt ich es für vernünftiger, Träger annähen zu lassen.
Also habe ich das Foto genommen und die Träger mit Paint so auf das Kleid gemalt, wie ich sie haben wollte. Das funktioniert auch gut mit Blumen oder anderen Accessoires. Am nächsten Tag (man muss berücksichtigen, dass China in einer etwas anderen Zeitzone liegt), erhielt ich die Bestätigung, dass meine Wünsche so umgesetzt werden könnten. Das hat mich natürlich kräftig motiviert und weil ich regelrecht ins Sparfieber gekommen bin, habe ich auch gleich noch einen passenden Reifrock und einen Schleier mitbestellt.
Die Frage der Fragen: War das Kleid das Risiko wert?
Es dauerte etwa fünf Wochen, bis der Postbote mir ein Paket aus China brachte. Es war etwa 60 mal 30 Zentimeter groß und ich war überzeugt davon, dass da niemals ein Kleid mit Reifrock und Schleier drin sein könnte. Aber die Chinesen wissen offenbar, wie man Sachen faltet.
Erst einmal habe ich alle Sachen ausgepackt und akribisch unter die Lupe genommen. Die Verzierungen und Stickereien, die man auf dem Foto kaum hatte erkennen können, sahen toll aus. Ich würde zwar nicht die Hand ins Feuer legen, dass diese Verzierungen dieselben wie beim Original waren, aber diesen Abstrich machte ich gerne.
Doch jetzt kam der besondere Moment: Das Anprobieren meines Hochzeitskleides. Wenn ich mich vermessen hatte, konnte das Kleid vermutlich selbst ein Schneider nicht mehr retten. Doch es passte. Das Kleid saß wie angegossen und als ich mich endlich im Spiegel sah, war ich wirklich restlos begeistert.
Möglich, dass mir die Hochzeitskleider aus dem Brautladen besser gestanden hätte. Aber das hier war mein Kleid. Ich fühlte mich toll, nein ich fühlte mich großartig. Ich war überglücklich, das Risiko gewagt zu haben, ein anderes Kleid wäre für mich nicht mehr in Frage gekommen.
Diese Dinge sollte man beim Kauf der Hochzeitskleider aus China beachten:
- Sucht euch einen Händler, der möglichst gute Bewertungen hat
- Lasst eine Freundin die Maße für euer Brautkleid nehmen. Man selbst neigt manchmal dazu, zu eng zu messen.
- Um Missverständnisse zu vermeiden malt am besten jeden Sonderwunsch möglichst genau in ein Bild eines Kleides ein.
- Rechnet immer damit, dass das Hochzeitskleid ein Fehlkauf sein kann und es nicht euren Vorstellungen entspricht. Das schützt euch vor Enttäuschungen.
- Kalkuliert ein, dass ihr auf euer Kleid möglicherweise noch Zoll bezahlen müsst. Er wird entweder bar an das Transportunternehmen bezahlt oder ihr müsst das Hochzeitskleid am Zoll auslösen
Anmerkung von Hochzeitsportal24: Planen Sie genug Zeit ein, wenn Sie Hochzeitskleider aus China kaufen. Sollte tatsächlich etwas nicht klappen oder das Hochzeitskleid im Zoll feststecken, brauchen Sie sicherlich ein paar Wochen extra.